Das große Rennen
Gestern war wieder Volkslauf am S+U Pankow und ich war dabei. Um exakt 1.06 Uhr traf die um eine Minute verspätete U2 ein und oben warteten schon die Nachtbusse, die die Fahrgäste in die weiter entlegenen Teile der Stadt transportieren sollten. Nun muss man wissen, dass diese Busse um 1.05 losfahren sollten und die Busfahrer es oft sehr eilig haben, denn man weiss ja nie, ob man bei dem starken Verkehr, der nachts herrscht, überhaupt noch pünktlich an der Endhaltestelle ankommt.
Dies weiß auch der Fahrgast und so fiel der Startschuß zum großen Rennen als sich die Türen der U-Bahn öffneten - schliesslich wusste jeder, dass der nächste Nachtbus erst wieder in 30 Minuten fährt. Und so rannten sie die Treppen hinauf - alt und jung - selbst ein Gehbehinderter quälte sich in eiligem Humpelschritt hoch. Doch auch dieses Mal schafften es wieder nur die absolut Sportlichen - ungefähr die Hälfte konnte kurz vor Erreichen des Nachtbusses zuschauen, wie der Busfahrer zu ungeduldig wurde und vor ihrer Nase losfuhr.
Der Preis gebührt zweifellos der BVG, die sich die Einrichtung dieses sportlichen Highlights in aller Frühe einfallen ließ, denn wenn die Ankunftszeit der U-Bahn nur um ein paar Minuten nach vorne verlegt worden wäre, gäbe es all dies ja nicht zu bestaunen.
Also, meine Gratulation dazu.
Tags: öffentlicher_Nahverkehr, Berlin, BVG
November 15th, 2005 at 9:49 pm
Ich hab mal an einer Haltestelle gestanden und der Bus ist vorbei gefahren, der Busfahrer hatte es wohl auch mal wieder sehr eilig.
November 22nd, 2005 at 5:48 pm
Toll! Der Autor ist anscheinend nicht sportlich genug. Oder ist er wirklich der ausgemachte Fachmann für Anschlüsse und den ÖPNV? Tatsächlich passiert es, dass die U-Bahn auch mal zu spät kommt. Es liegt sicherlich nicht an dem nächtlich unglaublich hohen Verkehsaufkommen auf Berlins Strassen, sondern ganz einfach darin begründet, dass die in Tegel abfahrenden Omnibusse auch noch andere Anschlüsse wahrzunehmen haben. Es werden nicht nur Fahrgäste in die weit entlegenen Stadtbereiche gebracht, sondern auch dort abgeholt! Fährt also der Bus verspätet ab, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auf seiner Tour auch wieder verspätet in Tegel ankommt, vergleichsweise groß. Wartet die U-Bahn dann den Anschluss ab? Eher nicht! Was dürfen dann dei geehrten Fahrgäste? Warten!!!! ist doch logisch.
Das europaweit einmalige Berliner Nachtnetz ist ein empfindliches Gebilde, dass auf Störungen - egal ob sie durch verspätete Bahnen oder durch 30-km/h-Bereiche (davon soll es nach dem Willen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bald sehr viele geben) hervorgerufen werden - sehr brüchig reagiert. Wartet der Fahrer also auf die versprengten “Nachteulen”, verpasst er mit seinem Bus sicherlich einen weiteren Anschlusspunkt…. usw. Das kann man auch “Dominoeffekt” nennen.
Gibt es einen Ausweg? Klar! Mehr Fahrzeuge und Personal einsetzen! Doch was sagt dann besagter Autor? Das wird ja richtig teuer!!!! Wer bezahlt das dann? Der Senat? Der Fahrgast? Ein lustiges Spielchen kann daraus werden…..
Aber macht nichts, Hauptsache der Autor hat sich seinen Frust von der Seele geschrieben und alle anderen Betroffenen auf seiner Seite…. und sowas nennt sich Journalist!
Armes Berlin!
November 22nd, 2005 at 6:17 pm
>Toll! Der Autor ist anscheinend nicht sportlich genug. Oder ist er
>wirklich der ausgemachte Fachmann für Anschlüsse und den
>ÖPNV?
Ich brauche nicht Fachmann zu sein um etwas, was sich übrigens in schöner Regelmässigkeit am Wochenende wiederholt, bewerten zu können. Ich beteilige mich übrigens gar nicht mehr an der Rennerei, viele andere aber ja. Vielleicht stellst Du dich nächstes Mal einfach hin und feuerst die Nicht-Sportlichen an oder lachst Dich schief, wenn sie es nicht schaffen. Ein “zu späääät” kommt da sicherlich gut.
> ganz einfach darin begründet, dass die in Tegel
>abfahrenden Omnibusse auch noch andere Anschlüsse >wahrzunehmen haben.
Mich interessiert ehrlich gesagt nicht, wo diese Busse herkommen. Fakt ist, zum Beispiel der N2, von dem ich unter anderem rede, wird am S+U Pankow eingesetzt und hat von dort - so verstehe ich seine Hauptaufgabe - Fahrgäste die dort ankommen weiter zu transportieren. Bei ein bisschen Erfahrung auf der Strecke wüsstest Du, dass von dort aus bis zur Endhaltestelle auch kaum jemand mehr zusteigt. Ca. 80 - 90 Prozent der Fahrgäste aquiriert dieser Bus meiner Meinung nach von der ankommenden U-Bahn.
> Wartet die U-Bahn dann den Anschluss ab? Eher nicht!
Und warum nicht? S+U Pankow ist Anfangspunkt dieser U-Bahn.
>Hauptsache der Autor hat sich seinen Frust von der Seele
>geschrieben und alle anderen Betroffenen auf seiner
>Seite…. und sowas nennt sich Journalist!
Dies ist ein Blog und kein Zeitungsartikel und in einem Blog, sehr gut beobachtet, habe ich die Berechtigung mir “meinen Frust von der Seele” zu schreiben.
Offensichtlich, so vermute ich, arbeitest Du bei der BVG, kann das sein?
November 25th, 2005 at 4:35 pm
Hallo… nein, ich bin nicht bei der BVG. Aber ich verfüge über ausreichende Kenntnisse in der Komplexität des Berliner Nahverkehrs und seiner Organisation…. Ich komme nicht einmal aus Berlin, daher auch die Verwechselung von Tegel und Pankow! Aber insgesamt stellt man als häufiger Besucher der Stadt immer wieder fest, dass die Berliner das Super-Angebot des öffentlichen Nahverkehrs nicht zu schätzen wissen und - wahrscheinlich ein Mentalitätsfrage - über alles und jedes meckern…. ob es nun Fahrpreise oder verpasste Anschlüsse oder, oder sind.
Vielleicht sollte der regelmäßige Nutzer auch mal hinterfragen, was alles für Hindernisse einem optimal zu gestaltendem ÖPNV in Berlin entgegensteht….
Da gibt es Behörden, die trotz des Lippenbekenntnisses der politischen Führung zum ÖPNV kontraproduktive Entscheidungen treffen (z.B. Tempo 30 auf Hauptverkehsstraßen) und Landespolitiker, die alles andere haben, aber keinen Durchblick!