Szczecin / Stettin

Normalerweise macht man ja erst mal mit dem nächstmöglichen Ort im Nachbarland Bekanntschaft, weil der Trip dorthin nicht viel Geld und Zeit kostet. Abgesehen von Slubice, das ich zwar vorher besucht hatte, welches aber sehr klein ist und wo es wahrlich nicht allzuviel zu sehen gibt, ist die nächstgelegene größere Stadt Polen’s Szczecin.

Obwohl diese Stadt nur ca. 140 km von Berlin entfernt ist und mit 430.000 Einwohnern die nächstgelegene Großstadt ist, ist das Angebot der Bahn äußerst bescheiden. Alle 2 Stunden bequemt sich ein Zug dorthin und das bis auf einen direkten Zug morgens auch nur verbunden mit einem Umstieg in Angermünde. Mit dem Brandenburg-Ticket kommt man für 24 Euro mit bis zu 5 Personen nach Szczecin und zurück.
Ich wählte die direkte Verbindung und fuhr im mit recht bequemen Sitzen ausgestatteten Zug nach Polen.

Oder und Hafen

Ich hatte vorher einiges über diese Stadt gelesen – zum Beispiel, dass sie zwar groß sei, aber daß es dort nichts besonderes zu sehen gäbe. Dem kann ich nur widersprechen: Szczecin ist eine sehr interessante und zum großen Teil auch sehr hübsche Stadt. Ich frage mich, ob die Kritiker direkt am Bahnhof wieder umgekehrt sind und zurückgefahren sind, denn zugegebenermaßen ist der Bahnhof ziemlich alt und auch ein bisserl heruntergekommen. Bequemt man sich vom Bahnhof aber auch nur ein paar Minuten Richtung Altstadt geht es Schlag auf Schlag. Vor dem Rathaus ein imposanter Brunnen, eine Backsteinkirche mit wunderschönen bunten Fenstern, überall wird gemeisselt und gehämmert, denn die Szczeciner haben sich offensichtlich mit Eifer an die Aufgabe gemacht, zu restaurieren was das Zeug hält. Das Ergebnis lässt sich – wie gesagt – sehen.
Zwischendurch lief ich auf und ab in den schmalen Gassen, ich hatte vorher nicht gewußt, dass Szczecin so hügelig ist. Was mir auffiel waren die kurzen Distanzen zwischen den Highlights dieser Stadt. Von Berlin bin ich es gewohnt, von einem interessanten Ort zum anderen weite Wege zu gehen.
Weitere Highlights Szczecin’s sind die Hakenterassen, mit einem fantastischen Überblick über die Oder – es gibt hier genügend schattige Bänke um das Ganze zu geniessen – der Hafen, maritime Skulpturen über die ganze Stadt verteilt, sowie auch das Pariser Viertel. Die Architektur in dieser Gegend erinnert, wie ihr Name schon sagt, sehr an die der französischen Hauptstadt.

Brunnen unter den Hakenterassen

Zum Abschluß des Trips war ein bisschen Shopping angesagt. Billig, wie sich sicherlich der eine oder andere denken kann, ist so ziemlich alles was es dort zu kaufen gibt. Für mich war es sogar noch ein Stück günstiger, da ich von meinem Slubice-Besuch noch viele Sloty übrig hatte und weil ich zum Beispiel in einem Buch/CD-Laden sicherlich gerne ein Buch gekauft hätte, aber mein Polnisch ist so gut nun auch wieder nicht, als das es schon für irgendwelche anspruchsvolle Literatur reicht. Das Pazim Center mit seiner Mall bietet übrigens vielfältige Gelegenheiten, die eingetauschten Sloty auszugeben.
Alles in Allem war es trotz der momentan herrschenden Hitze ein toller Ausflug und man kann Szczecins Touristenverein nur ermuntern, in Berlin mehr für seine Stadt zu werben, denn ein Trip dorthin lohnt sich.

Meine Fotos von Szczecin gibt es hier zu sehen.


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