Böllerfreuden

Das bevorzugte Utensil für den Aufenthalt im Berliner Zentrum ist heute mal wieder ein Rucksack oder gar eine Reisetasche bzw. Koffer. Davon konnte ich mich eben überzeugen, als ich auf der Suche nach einer offenen Bäckerei war, um irgendwelche Silvester-Pfannkuchen zu finden. Dabei ist nur ein verschwindend geringer Teil dieser Leute auf Reisen, denn in diesen Taschen befinden sich neben diversen Alkoholika meistens ein ganzer Haufen Raketen und Knallkörper. Die Szenerie erinnerte mich an den einmaligen Aufenthalt auf Berlin’s Silvesterparty vor Jahren. Meine Frau und ich bekamen schon in weiter Ferne zum Veranstaltungsgelände am Brandenburger Tor von irgendwelchen Deppen diverse Feuerwerkskörper um die Ohren geknallt – viele andere landeten nur knapp vor unseren Füßen. Andere Heinis verlegten sich darauf, Böller in U-Bahneingänge zu schmeissen, oder diese in U-Bahnwagen zu werfen, kurz bevor die Türen geschlossen wurden. Je näher man sich an die Eingänge zum Partygelände bewegte, desto schlimmer wurde die Situation. Da keine Feuerwerskörper mit auf das Gelände mitgenommen werden konnten – einige schmuggelten dennoch etwas hinein – wurden die mitgebrachten Böller direkt an den Eingängen noch zügig abgebrannt. Das verwandelte diese Gegenden in eine Art Kriegszenario, durch das man hindurch musste, wenn man an der Party teilnehmen wollte.

Das Teilnehmen selbst bestand dann in einem immer mehr eingeengten Herumstehen mit Musikbegleitung auf der Bühne durch irgendwelche minimalprominenten Leute. Nebenbei fror einem so allmählich der Allerwerteste ab. Bewegung zum Aufwärmen war aber durch die zunehmende Füle kaum möglich und auch nicht empfehlenswert, da man dann durch diverse verschüttete Alkoholika, Glasscherben und Dosen watete.
Das Fazit damals: Nie wieder!

Warum jedes Jahr immer wieder eine Millionen Menschen dort hingeht, bleibt für mich ein Rätsel – das können doch nicht immer die gleichen Leute sein. Denn wenn man das einmal mitgemacht hat, sollte es doch reichen, oder?

Lieblingsfilme des Jahres

Ich gehöre sicherlich nicht zu den Cineasten, denn ich habe mir dieses Jahr kaum Filme im Kino angesehen. Das liegt aber daran, dass mich die von mir ausgewählten Filme so sehr interessieren, dass ich sie mir lieber auf DVD anschaue. Denn dort gibt es standardmässig vieles an zusätzlichen Informationen und Features zum jeweiligen Film. Sicherlich wird der ein oder andere beides machen – erst den Film im Kino sehen um ihn dann nachher auf DVD mit Extras noch mal anzuschauen – aber das wäre mir bei der großen Zahl der Filme, die ich mir pro Jahr anschaue, sicherlich ein ziemlich teures Hobby.

So sind die folgenden, von mir favorisierten Filme bis auf einen auch eher unter der Kategorie “Beste DVD-Neuerscheinungen des Jahres” zu sehen.

1. Inside Man – Spike Lee hat wahrscheinlich wichtigere Filme in seiner Karriere produziert. Dieser hier ist aber extrem unterhaltsam, die Story ist spannend und äußerst intelligent

2. Derecho de familia – Eine symphatische, witzige Familienkomödie aus Argentinien

3. Wallace and Gromit in The Course of the We-re rabbit – Putzig, rührend, genial

4. La tigre e la neve – Wieder einmal gelingt es Roberto Benigni, ein schwieriges Thema in komödiantischer Weise zu präsentieren

5. X-Men: The last stand – Vielfach las ich, dass dieser Film der schwächste in der Trilogie sein soll. Dem kann ich nur widersprechen

6. The Bird people of China – japanischer, origineller Film, tolle Szenarien

7. The Big White – Robin Williams hatte es mit seinen letzten Filmen bei den Kritikern schwer, dieser hier ist meiner Meinung nach wesentlich besser und witziger als sein Ruf

8. The Squid and the whale – Beziehungsfilm, sehr gut von Noah Baumbach in Szene gesetzt

9. Proof – Anthony Hopkins, Gwynyth Paltrow, Jake Gyllenhaal und Hope Davis überzeugen durch ihre exzellenten, schauspielerische Leistungen

10. Transamerica – Felicity Huffman ist hierfür zu Recht für den Oscar nominiert worden. Einfühlsam und witzig

Berlin geht spazieren

Den Organisatoren der Weihnachtsmärkte ein großes “Danke” für die äußerst logische Idee, einen Weihnachts(!)markt auch noch an Weihnachten selbst zu öffnen. Am gestrigen 1. Weihnachtstag begaben sich Touristen, aber auch anscheinend fast alle Berliner Familien auf ihren traditionellen Spaziergang. Ein großer Teil davon landete in den Zentren der Stadt. Und da gleich mehrere Weihnachtsmärkte immer noch geöffnet haben und diese zu den wenigen Plätzen gehören, die man an den Feiertagen besuchen kann, landeten vielen von ihnen genau dort.