Archive for the ‘Sport’ Category

Unterwegs am Pokalendspieltag

Tuesday, May 29th, 2007

“Schalalalalalala uhuh - FCN!!!!”

Schlagartig wurde uns Fahrgästen in der U-Bahn klar: Dieser Waggon wurde nun vom FC Nürnberg regiert. Eine Gruppe von Fans hatte soeben unseren Wagen betreten und machte mit Gesangsdarbietungen in recht einfallsloser Qualität lautstark auf sich aufmerksam. Während die Touristen aus den Niederlanden das ganz putzig fanden, schalalalarten mir schon nach kurzer Zeit die Ohren.

Nicht dass ich damit gerechnet hatte, dass die Fans sich auf dem Weg ins Olympiastadion machten um das DFB-Pokalendspiel zu schauen, ich hatte bloss nicht gedacht, dass sie schon am Potsdamer Platz zusteigen, sondern erst am Bahnhof Zoo - wie die Hertha Fans bei Heimspielen auch. Nun saß ich in einer ungünstigen strategischen Position mitten im Waggon, die Ausgänge weit entfernt und der Waggon immer voller mit einer sich ankündigenden Invasion am Bahnhof Zoo.

Es blieb eigentlich nur das frühzeitige Aussteigen am Wittenbergplatz, wollte ich nicht unfreiwilligerweise mit zum Olympiastadion fahren. Beim Verlassen des dortigen U-Bahnhofes wurde klar: Hier ging’s kaum weiter, denn ein gigantisches Gewitter wollte schon in Kürze loslegen. Also ab ins Kadewe. Irgendwann ging es dann weiter für mich. Zurück ging ich sicher, dass ich nicht wieder in der überfüllten U-Bahn saß und ich konnte zuhause mitverfolgen, wie der FCN den Pokal gewann.

Fragt mal Bayern

Monday, April 30th, 2007

Kaum hat Hertha den Verbleib in der 1. Bundesliga gesichert, schon gibt es vor allem unter den Fans erste Hoffnungen, man könne das ja evtl. doch noch mit dem UEFA-Cup Platz schaffen. Rechnerisch ist das auch noch gut möglich, die Frage ist aber doch  eher ob eine Teilnahme dort überhaupt irgendwie etwas bringt? Die letzten Male, als Hertha im UEFA-Cup gespielt hat, war das Ganze finanziell wenig einträglich und das Stadion war bei jedem Spiel kaum gefüllt.

Sei’s drum, vielleicht wird ja doch noch was aus dem internationalen Geschäft. Viel erfolgsversprechender als ein sportliches Erreichen dieses Platzes scheint mir aber zu sein, doch mal die Bayern zu fragen, ob sie denn überhaupt im UEFA-Cup mitspielen wollen. Für Bayern München ist die Teilnahme - in Anbetracht der Tatsache dass man sonst nur Turin, Madrid und co.  gewöhnt ist - sicherlich eher lästig und vielleicht stellt man den Platz ja Hertha zur Verfügung?

WM-Fazit

Tuesday, July 11th, 2006

Bevor ich mich wieder anderen Themen zuwende, noch ein kurzes, persönliches Fazit zur Fußball-WM.

Stimmung: Wohl kaum zu übertreffen, eine einzige Dauerparty, sowohl im Stadion als auch außerhalb. Während meiner Besuche im Zentrum von Berlin, als auch bei einem Spiel sah ich eigentlich nur Positives.

Fans: In den Spielen der deutschen Mannschaft gegen Argentinien und Italien fiel auf, dass der Gegner von der ersten Minute an ausgepfiffen worden ist - das ist extrem unfair und albern.
Abgesehen davon aber: Vorbildlich. Man konnte sich offensichtlich auch mal mit den anderen Ländern freuen, wenn diese gewonnen hatten und im Feiern waren die Fans sowieso weltmeisterlich.

Die Spiele: Selten hat mich eine Weltmeisterschaft so gelangweilt, wie diese. Kaum Überraschungen, viele, langweilig vorgetragene Favoritensiege und bei Teams mit gleicher Spielart ein einfallsloses Gekicke, das hauptsächlich darauf bedacht war, die Strategie des anderen zu stören, anstatt das eigene Spiel zu entwickeln. Oft genug habe ich einfach zu anderen Programmen gezappt, wenn es mal zu öde war.

Kommerz: Die Adidas Arena machte sich auf dem Platz der Republik direkt beim Zentrum der deutschen Politik, dem Reichstag breit. Ein besseres Symbol für die Symbiose von Kommerz und Politik und den Einfluß der Großunternehmen konnte es wohl nicht geben.

Organisation: Perfekt. Ein Lob sowohl als das deutsche Organisationskomittee als auch an die Fifa. Es gehört schon einiges an Ressourcen und Ideen dazu, die WM logistisch so gut ablaufen zu lassen.

Deutschland - Ecuador, nur Positives zu vermelden

Tuesday, June 20th, 2006

Des öfteren gehöre ich ja zu denjenigen, die die Dinge etwas anders sehen, als die Mehrheit der Bevölkerung, aber in Punkto Fußball-WM sehe ich nun, spätestens seitdem ich mal selbst im Stadion war, vieles ähnlich.

Man mag einiges an der FIFA kritisieren, aber organisieren können sie, das muss man ihn lassen. Nach der Fahrt mit der U-Bahn (Durchsagen an den Stationen auch in Spanisch!) wird dies schon bei der Ankunft am Stadion deutlich. Die Kontrollen sind weit vorgelagert und haben mit den eigentlichen Eingängen am Stadion, bei denen das Ticket gescannt wird, nichts zu tun. Hierdurch und auch durch die große Anzahl der Ordner ist die Wartezeit gleich Null. Kontrolliert wird sehr penibel, was in Punkto Sicherheit seine eindeutigen Vorteile hat, wenn mir auch nicht ganz klar war, warum ich mich hier von meiner PET-Eisteeflasche verabschieden musste. Am Stadion selbst befinden sich lauter Helfer mit Stadionplänen, die einen bei Bedarf den Weg zum Sitz erklären. Schon vor dem Spiel läuft Personal herum und hebt Müll vom Boden auf.

Das Spiel selbst - nun, viele werden es gesehen haben - das Ganze ist eine friedliche und positiv gestimmte Party, einerseits verursacht durch das gute Spiel des deutschen Teams und zum anderen durch die hervorragende und fröhliche Unterstützung der Fans. Alles im allen eine runde Sache und bis jetzt ein großer Erfolg für die Organisatoren und für Deutschland.

Gepflegte Langeweile

Saturday, June 17th, 2006

Geht es nur mir so, oder gibt es auch andere, die die WM bisher als sehr langweilig empfinden? Fast ausschließlich klare oder nicht überzeugend vorgetragene Favoritensiege. Das, was eine Fußball-WM fast immer auszeichnete - “kleine”  gewinnen gegen auf dem Papier gute und sorgen für Überraschungen - findet dieses Mal praktisch überhaupt nicht statt. Ich frage mich, ob der Unterschied zwischen den Teams mittlerweile schon zu groß geworden ist?

Meine WM-Prognose

Tuesday, May 16th, 2006

Nachdem Deutschland das Spiel gegen den Verbandsligisten aus Luckenwalde überraschend gewonnen hat, steht für viele Fußball-Fans der WM-Titelgewinn sicherlich schon fest. Nun konnte man bei der ARD zur Bereicherung des Senders anrufen und seine Meinung über das Abschneiden bei der WM kundtun, Zeit also für mich, mal gratis zu tippen:
Deutschland übersteht die erste Runde als Gruppenzweiter, im Achtelfinale fliegt das Team dann gegen den Ersten aus der Gruppe B, also England, im hohen Bogen raus.

Wenn dies so eintrifft, wäre es interessant zu schauen, wieweit es dann noch um die (angeblich herrschende) WM-Euphorie in Deutschland bestellt ist. Auch hier meine Prognose: Wer jetzt noch kein WM-Ticket hat, wird dann bei der hohen Zahl von zurückgegebenen Eintrittskarten sehr gute Chance haben, noch eine Karte zu bekommen.

Aber ich lass mich gerne positiv überraschen.

US Jungen

Wednesday, April 12th, 2006

Es wäre interessant zu wissen, wie deutsche Journalisten eine Wortschöpfung kreieren und welche Motivation dahinter steckte. Ein gutes Beispiel liefert die amerikanische Fußball-Nationalmannschaft. Wann immer im Sportjournalismus von diesem Team die Rede ist, sind das plötzlich keine Spieler mehr oder irgendwelche Herren, die Sport ausüben, sondern es sind die US Boys, die gewonnen, verloren oder was auch immer haben.

Ich frage mich was man damit aussagen will? Meint man, die Spieler sind alle noch minderjährig? Findet man es toll, dass man ein englisches Wort für eine Mannschaft mit englischsprachigen Spielern benutzt und gibt damit sein großes Wissen über diese Sprache preis? Sollte man dann nicht auch von den spanischen hombres oder französischen hommes sprechen, wenn die mal spielen?
Irgendwie albern.

WM Quatsch

Monday, April 3rd, 2006

Gestern in der Bäckerei gesichtet: Der Fußball-Kuchen.

Heute im Supermarkt aufgetaucht: Die tiefgefrorene Halbzeit-Pizza mit Bratwurtscheiben drauf.

Was kommt als nächstes? Wir wissen es nicht und ich persönlich will es auch gar nicht wissen. Neben dem bisher geschilderten (siehe u.a. hier und hier) ein weiterer Grund, warum selbst ein Fußball-Anhänger wie ich über die Begleiterscheinungen der WM nur den Kopf schütteln kann.

Einfallslose Werbekampagnen

Wednesday, March 15th, 2006

Liebe Werbeleute,

Wir verstehen Euch ja. Da sollt Ihr eine Werbekampage für ein neues oder auch altes Produkt entwerfen - das ist schon schwer. Unzählige Stunden sitzt Ihr da vor dem Papier oder Laptop, viele Fluppen werden inhaliert - und dann habt ihr einen Geistesblitz: Warum nicht etwas mit Fußball oder der Fußball-WM als Thema? Scheint innovativ zu sein, der Punkt ist aber der: Eure Kollegen von der Konkurrenz-Agentur hatten auch schon die gleiche Idee - und deren Konkurrent auch und so weiter und so fort.

Und so sehen wir nun in allen Spots, auf allen Plakaten und in allen Zeitschriften irgendwelche Fußbälle durchs Bild hüpfen sowie Stadien oder fussballerische Sprüche neben dem jeweiligen Produkt platziert und wir fragen uns, was wohl ein Joghurt oder ein Abführmittel unmittelbar mit dem Thema “WM” oder “Fußball” zu tun hat?

Lasst Euch versichern von jemanden, der gar nicht gegen Fußball ist, der sogar ein Fußballbegeisterter ist: Es wird langweilig und es erscheint ideenlos. Wenn das so weiter geht, wird demnächst noch das Produkt am meisten verkauft, was ausnahmsweise nicht mit der WM in Verbindung steht. Deswegen hoffe ich, Ihr strengt Euch an und habt auch noch andere Ideen. Falls Ihr Euch aber das WM-Thema gar nicht selbst ausgedacht habt, sondern von der jeweiligen Firma den Auftrag bekommen habt, damit zu werben, erinnert sie an dieses Schreiben eines gelangweilten Kunden.

Sturheit siegt?

Wednesday, March 8th, 2006

Was geschieht in einer Firma, in der mit Wissen der Konzernspitze und der Mitarbeiter seit langer Zeit verdorbener, schimmliger Käse produziert und ausgeliefert wird? Richtig - Das Ganze hat Konsequenzen, personelle “Veränderungen” (vorsichtig ausgedrückt) sind die Folge.

Nicht so bei Hertha. Der Verein liefert Produkte ab, genannt “Fußballspiele”. Die Bilanz ist deprimierend. Die letzten 13 Spiele konnten nicht gewonnen werden, man verlor hintereinander gegen den Tabellenvorletzten und Tabellenletzten, nach einer sehr wahrscheinlichen Niederlage in Bremen winken die Abstiegsplätze, die dann eventuell nur noch 6 oder 7 Punkte entfernt sind. Passiert was bei Hertha? Nein - oder eigentlich eher kaum. Denn was zum Beispiel geschieht ist, dass man Maßnahmen gegen die treuesten Kunden, also die Fans, beschließt.

Neuestes Beispiel ist die Abschaffung des offiziellen Hertha-Forum, hier ist anscheinend zu viel gemeckert worden. Anstatt die sich selbst disqualifizierenden Beiträge einfach zu entfernen, wird gleich das ganze Forum geschlossen und ein anderes in neuer Form angekündigt. Man darf gespannt sein, wer dort noch rein darf und was man äussern kann. Anstatt des Forums liest man auf der Hertha-Homepage jetzt viel Positives. Jeder bewerte dies selbst.

Ich komme aus Westfalen und die dortigen Bewohner werden normalerweise als sehr stur angesehen. Die Portion Sturheit und “Weiter so” Mentalität bei Hertha ist demnach zutiefst westfälisch. Es gibt wohl momentan keinen anderen Bundesligaverein, wo die Meinung eines großen Teils der Öffentlichkeit und der Medien und die Meinung des Vereins so weiter auseinander gehen wie hier in Berlin.