Eigentlich gehört zu meiner Definition von einer Weltstadt auch, das rund um die Uhr etwas los ist. Berlin rühmt sich ja eigentlich, eben eine solche Stadt zu sein. Aber jetzt, wo die Sommerferien beendet und die Touristen weg sind - bevor die Kegelclubs kommen - merkt man doch wie leer es in den meisten Gegenden der Stadt spät abends ist. Man fragt sich, wo die BerlinerInnen alle abends sind? Sicherlich, viele meiden die Touristengegenden, aber selbst in den typischen Ausgehgegenden der Bezirke, ob um die Kastanienallee herum, Bergmannstraße – wie sie auch alle heissen, es ist unter der Woche überall ruhig. Das Wetter spielt momentan wohl eine Rolle, aber daran kann es wohl kaum liegen, dass auch in den Kneipen und Restaurants viele Plätze leer sind.
Tag Archives: ausgehen
Made in Berlin
Einer von unseren typischen Ausgehabenden in Berlin. Meine Frau und ich verlassen das Haus und stellen fest, dass in der Nähe gerade eine Antifa-Demonstration vorbeikommt. Das bedeutet: Nichts geht mehr in Sachen ÖPNV. Wir beschliessen, einfach Richtung Zentrum zu laufen. Eine Weile später landen wir gegen 23 Uhr im rauchfreien Balzac Coffee an der Schönhauser. Dort frischen wir uns wieder auf.
Weiter geht’s über die Prenzlauer Allee in der wir viele neue kleine Läden und Bistros entdecken. An der Karl-Liebknecht-Straße – es ist schon gegen 1 Uhr – fällt uns ein uns bisher unbekannter Laden auf, “ausberlin” heisst er und Leute stehen gerade vor ihm. Kurze Nachfrage – ja wir haben offen, versichert man uns. Als wir eintreten werden wir von den netten InhaberInnen gleich mit Rotwein und später mit Wodka versorgt. Wir sind mitten in eine Vernissage einer französischen Künstlerin gelandet, die unter ihrem Label “fragile fabrics” die Fenster des Ladens gestaltet hat und ihre eigenen Taschen verkauft.
Bei Live-DJ Musik erkunden wir angeheitert “ausberlin” und sind zunehmend fasziniert. Im Vergleich zu den Standard-Souvenirläden in Berlin verkauft dieser hier genau das was er unter seinem Label auch ankündigt: Alle Produkte – darunter vieles Innovatives – sind von Berliner Firmen und Künstlern hergestellt und die Liste ist wahrlich riesig. Da fehlen auch nicht die Filzpantoffel aus Mitte oder der Senf aus Kreuzberg. Mit einem Stift von Usus, einem Brötchentablett und einer Grafik des Bahnhofs Friedrichsstraße (Berlin by rost) versehen verlassen wir den Laden.
Am Hackeschen Markt ist man noch am feiern. Plötzlicher Hunger gegen 2.30 Uhr. Eine Pizza in der Oranienburger hilft dagegen. Zum Abschluß gibt es dann sogar noch einen der angekündigten Sternschnuppen am Firmament zu bewundern.
So oder so ähnlich gibt’s für den Spontanausgeher vieles Neues in Berlin zu entdecken und das ohne dass man sich großartig vorher Ideen machen braucht, was oder wohin man möchte. Und genau das ist es, was Berlin unter anderem als faszinierende Metropole ausmacht.
wohin sonst?
Da kann es noch so viele Leute geben, die über Starbucks meckern – es sei ja so teuer dort und überhaupt, das sei ja keine Kaffeehauskultur mehr, was einem dort präsentiert wird. Ehrlich gesagt – es interessiert mich nicht, denn Starbucks gehört immer noch die goldene Medaille überreicht, weil es einer der ganz wenigen gastronomischen Orte ist, an denen das komplette Rauchverbot herrscht. Wenn der unternehmungswillige, gegenüber der Gesundheitsschädigung durch Zigarettenqualm nicht tolerante Nichtraucher also zum Beispiel samstag abends mal raus will um sich an einem Ort ausserhalb seiner Wohnung/seines Hauses zu vergnügen und etwas zu essen und zu trinken, sind die Starbucks Cafes eine von ganz wenigen Optionen. Gottseidank gibt es in Berlin auch eine Filiale, in der man dies auch am späteren Abend noch kann.
Und zum Preis: Ich bezahle gerne ein paar Cent mehr für einen Cafe und vor allem ein Stück Kuchen das zig mal besser schmeckt, als ideenlose, traurige Einheitskuchen, die einem in vielen Bäckereiketten angeboten werden.