Unterwegs am Pokalendspieltag

“Schalalalalalala uhuh – FCN!!!!”

Schlagartig wurde uns Fahrgästen in der U-Bahn klar: Dieser Waggon wurde nun vom FC Nürnberg regiert. Eine Gruppe von Fans hatte soeben unseren Wagen betreten und machte mit Gesangsdarbietungen in recht einfallsloser Qualität lautstark auf sich aufmerksam. Während die Touristen aus den Niederlanden das ganz putzig fanden, schalalalarten mir schon nach kurzer Zeit die Ohren.

Nicht dass ich damit gerechnet hatte, dass die Fans sich auf dem Weg ins Olympiastadion machten um das DFB-Pokalendspiel zu schauen, ich hatte bloss nicht gedacht, dass sie schon am Potsdamer Platz zusteigen, sondern erst am Bahnhof Zoo – wie die Hertha Fans bei Heimspielen auch. Nun saß ich in einer ungünstigen strategischen Position mitten im Waggon, die Ausgänge weit entfernt und der Waggon immer voller mit einer sich ankündigenden Invasion am Bahnhof Zoo.

Es blieb eigentlich nur das frühzeitige Aussteigen am Wittenbergplatz, wollte ich nicht unfreiwilligerweise mit zum Olympiastadion fahren. Beim Verlassen des dortigen U-Bahnhofes wurde klar: Hier ging’s kaum weiter, denn ein gigantisches Gewitter wollte schon in Kürze loslegen. Also ab ins Kadewe. Irgendwann ging es dann weiter für mich. Zurück ging ich sicher, dass ich nicht wieder in der überfüllten U-Bahn saß und ich konnte zuhause mitverfolgen, wie der FCN den Pokal gewann.

WM-Fazit

Bevor ich mich wieder anderen Themen zuwende, noch ein kurzes, persönliches Fazit zur Fußball-WM.

Stimmung: Wohl kaum zu übertreffen, eine einzige Dauerparty, sowohl im Stadion als auch außerhalb. Während meiner Besuche im Zentrum von Berlin, als auch bei einem Spiel sah ich eigentlich nur Positives.

Fans: In den Spielen der deutschen Mannschaft gegen Argentinien und Italien fiel auf, dass der Gegner von der ersten Minute an ausgepfiffen worden ist – das ist extrem unfair und albern.
Abgesehen davon aber: Vorbildlich. Man konnte sich offensichtlich auch mal mit den anderen Ländern freuen, wenn diese gewonnen hatten und im Feiern waren die Fans sowieso weltmeisterlich.

Die Spiele: Selten hat mich eine Weltmeisterschaft so gelangweilt, wie diese. Kaum Überraschungen, viele, langweilig vorgetragene Favoritensiege und bei Teams mit gleicher Spielart ein einfallsloses Gekicke, das hauptsächlich darauf bedacht war, die Strategie des anderen zu stören, anstatt das eigene Spiel zu entwickeln. Oft genug habe ich einfach zu anderen Programmen gezappt, wenn es mal zu öde war.

Kommerz: Die Adidas Arena machte sich auf dem Platz der Republik direkt beim Zentrum der deutschen Politik, dem Reichstag breit. Ein besseres Symbol für die Symbiose von Kommerz und Politik und den Einfluß der Großunternehmen konnte es wohl nicht geben.

Organisation: Perfekt. Ein Lob sowohl als das deutsche Organisationskomittee als auch an die Fifa. Es gehört schon einiges an Ressourcen und Ideen dazu, die WM logistisch so gut ablaufen zu lassen.

Deutschland – Ecuador, nur Positives zu vermelden

Des öfteren gehöre ich ja zu denjenigen, die die Dinge etwas anders sehen, als die Mehrheit der Bevölkerung, aber in Punkto Fußball-WM sehe ich nun, spätestens seitdem ich mal selbst im Stadion war, vieles ähnlich.

Man mag einiges an der FIFA kritisieren, aber organisieren können sie, das muss man ihn lassen. Nach der Fahrt mit der U-Bahn (Durchsagen an den Stationen auch in Spanisch!) wird dies schon bei der Ankunft am Stadion deutlich. Die Kontrollen sind weit vorgelagert und haben mit den eigentlichen Eingängen am Stadion, bei denen das Ticket gescannt wird, nichts zu tun. Hierdurch und auch durch die große Anzahl der Ordner ist die Wartezeit gleich Null. Kontrolliert wird sehr penibel, was in Punkto Sicherheit seine eindeutigen Vorteile hat, wenn mir auch nicht ganz klar war, warum ich mich hier von meiner PET-Eisteeflasche verabschieden musste. Am Stadion selbst befinden sich lauter Helfer mit Stadionplänen, die einen bei Bedarf den Weg zum Sitz erklären. Schon vor dem Spiel läuft Personal herum und hebt Müll vom Boden auf.

Das Spiel selbst – nun, viele werden es gesehen haben – das Ganze ist eine friedliche und positiv gestimmte Party, einerseits verursacht durch das gute Spiel des deutschen Teams und zum anderen durch die hervorragende und fröhliche Unterstützung der Fans. Alles im allen eine runde Sache und bis jetzt ein großer Erfolg für die Organisatoren und für Deutschland.