Der Ball rollt

Kurz nach der so enthusiastisch begangenen Fußball WM scheint in der Stadt kaum mehr was an dieses wichtige Ereignis zu erinnern. Die Adidas Arena ist weg und man möchte hoffen, dass das was da momentan eingezäunt ist, auch wieder so aussieht, wie es vorher war – die gepflanzten Hecken lassen dies jedenfalls vermuten. Der Fernsehturm wird von einer Beleidigung für die Augen wieder zu einem ästhetischen Bauwerk mit jedem verschwundenen rosa Punkt auf seiner Kugel. Und die Läden, in denen sich Fußballerisches kaufen liess, werden auch immer weniger – sieht man mal von den paar Touristenläden ab, die noch Fandevotionalien stark reduziert anbieten.

Was bleiben sollte, ist eigentlich die Begeisterung für den Fußball an sich. Dabei, so rechnet man sich wohl aus, hoffte man eben diese in die neue Bundesligasaison hinüberzutragen. Ich weiß aber nicht so recht, ob das gelungen ist? Ich selbst habe momentan noch nicht viel Enthusiasmus dafür entwickeln können. Da hat man Brasilien, Italien, Deutschland und co. sehen können, Fußball satt – und nun soll man sich wieder für den Bundesligaalltag begeistern.

Nein – ich bin noch übersättigt.

WM-Fazit

Bevor ich mich wieder anderen Themen zuwende, noch ein kurzes, persönliches Fazit zur Fußball-WM.

Stimmung: Wohl kaum zu übertreffen, eine einzige Dauerparty, sowohl im Stadion als auch außerhalb. Während meiner Besuche im Zentrum von Berlin, als auch bei einem Spiel sah ich eigentlich nur Positives.

Fans: In den Spielen der deutschen Mannschaft gegen Argentinien und Italien fiel auf, dass der Gegner von der ersten Minute an ausgepfiffen worden ist – das ist extrem unfair und albern.
Abgesehen davon aber: Vorbildlich. Man konnte sich offensichtlich auch mal mit den anderen Ländern freuen, wenn diese gewonnen hatten und im Feiern waren die Fans sowieso weltmeisterlich.

Die Spiele: Selten hat mich eine Weltmeisterschaft so gelangweilt, wie diese. Kaum Überraschungen, viele, langweilig vorgetragene Favoritensiege und bei Teams mit gleicher Spielart ein einfallsloses Gekicke, das hauptsächlich darauf bedacht war, die Strategie des anderen zu stören, anstatt das eigene Spiel zu entwickeln. Oft genug habe ich einfach zu anderen Programmen gezappt, wenn es mal zu öde war.

Kommerz: Die Adidas Arena machte sich auf dem Platz der Republik direkt beim Zentrum der deutschen Politik, dem Reichstag breit. Ein besseres Symbol für die Symbiose von Kommerz und Politik und den Einfluß der Großunternehmen konnte es wohl nicht geben.

Organisation: Perfekt. Ein Lob sowohl als das deutsche Organisationskomittee als auch an die Fifa. Es gehört schon einiges an Ressourcen und Ideen dazu, die WM logistisch so gut ablaufen zu lassen.

Auf der Fanmeile

Kurz vor Ende der WM mache ich mich am Mittwoch Nachmittag auch mal auf zur Fanmeile. Ich habe einer Verwandten versprochen, ihr über die dortige Web-Videokamera des RBB zuzuwinken. Die Gelegenheit zu diesem Zeitpunkt nach der Niederlage der Deutschen ist günstig, da ich erwarte, daß es nicht so voll sein wird. An den Eingangskontrollen gibt es eine ziemliche ausführliche Überprüfung inkl. Vorzeigen des Schlüsselbundes. Nach ein paar Schritten erreiche ich die RBB-Bühne, von der aus moderiert wird und postiere mich winkend vor der Kamera. Weiter geht’s, das absolut lästigste ist die brütende Hitze. Der reflektierende Asphalt und kein Schatten garantieren, daß man sich vorkommt, als laufe man auf dem Boden einer Bratpfanne.

Ich gehe die gesamten 1,7 km (eben ca. eine Meile) ab. Viele Fruchtbowlen/Snack/Bier/Cola/Eisstände und Souvenirläden, außerdem stellen sich die Sponsoren vor. Dazwischen laufen einige Mädels herum, die für die Firma Philips die wenigen Besucher befragen. Das Ganze zieht sich ungeheuer in die Länge, unterbrochen nur von vielen großen Bildschirmen. Dann, so kurz hinter dem Riesenrad doch etwas Abwechslung: Eine Beachvolleyballfläche taucht auf, etwas dahinter einige, ganz witzig gemachte Sandskulpturen, Thema “Fußball” versteht sich. Kurz vor der Siegessäule dreh ich um und laufe nun hauptsächlich hinter den Buden direkt am Tiergarten entlang zurück. Dort, bei den Bämen, gibt es wenigstens etwas Schatten.

Alles in Allem findet man auf der Fanmeile, was man wohl von ihr erwartet: Viel Platz zum Rumstehen und Feiern bei den Spielen selbst, eine recht abwechslungsreiche Snackgastronomie vor Ort und reichlich Fanausstattung.

Soccer World Cup, Berlin, fanmile