Nach Berlin? Gerne, aber nicht jetzt

Nachdem die Läden zu den erweiterten Öffnungszeiten zum großen Teil leer sind – zum einen weil die WM-Touristen in großer Zahl abgesehen von den Spielen selbst nur am Aufenthalt in den gastronomischen Einrichtungen interessiert sind und der Berliner lieber zuhause vor dem TV oder draußen vor der Großleinwand sitzen bleibt und zwischen den Spielen keine Zeit oder Lust zum shoppen hat, ist nun das Hotelgewerbe ziemlich enttäuscht. Während in einigen anderen Städten die Touristen normalerweise eh nur in geringen Zahlen kommen und man nun dort durch die WM einen Aufschwung erlebt, gibt es hier in Berlin wohl viele potentielle Besucher, die normalerweise gerne die Schönheiten dieser Stadt gesehen hätten, die diese Stadt gerade aber wegen der WM meiden.

Der Hype bleibt aus und mich wundert, dass er überhaupt vor der WM entstanden ist.

Platinpreise in den Hotels

Wer sich mal nett amüsieren will als Berliner sollte mal irgendein Hotelreservierungssystem a la HRS im Internet besuchen und nach Hotels für den Zeitraum der WM-Spiele, die in Berlin stattfinden, suchen. Bei dem Ergebnis was einem dann offenbart wird, schlackern einem die Ohren schon ganz automatisch. Hotels, die sonst nur ca. 99 Euro pro Übernachtung kosten, sind nun für mehr als 300 Euro zu haben. Andere, die ca. 15 – 20 km vom Stadtzentrum entfernt sind, nehmen gar mehr als 400 Euro. Dabei kann man noch froh sein, wenn man überhaupt was bekommt, denn viele bekannte Hotels der Stadt stehen schon gar nicht mehr zur Auswahl. Es boomt also.

Dabei frage ich mich immer noch, was die Besucher hier alle wollen? Es passen jeweils ca. 60.000 Zuschauer ins Stadion, von denen zumindest ein Teil wahrscheinlich sogar aus Berlin kommt. Ok, ja, es gibt sicher auch viele Offizielle und Verbandsleute die dann hier anreisen, also addieren wir ruhig noch mal ein paar dazu. Was machen aber all die anderen hier? Berlin kann man sich sonst ausserhalb der WM-Zeit wesentlich günstiger ansehen, Volksfeste gibt’s auch in Dörfern und das mit den Riesenleinwänden – ist das eine so verlockende Alternative zum Schauen im heimischen Wohnzimmer oder in der Kneipe der jeweiligen Heimatstadt?
Wozu reist man also während der Spiele nach Berlin – höchstwahrscheinlich ohne Ticket?
Wir werden es rausfinden.