Es scheint, dass sich die Berliner Version der Fête de la Musique immer mehr etabliert. Mehr und mehr Leute auf den Straßen, in bestimmten Gebieten tauchen immer neue Konzertorte auf, ob angekündigt oder spontan. Ein paar Fotos hierzu:
Nachdem die innovative Rockband “Fotos” aus Hamburg auf dem Weg zum Motor-FM Festival zwischen ebendort und Berlin stecken geblieben war, fiel ihr Auftritt aus und damit einer der Hauptgründe warum wir überhaupt bei dem Festival aufgetaucht waren. Trost boten (erwartungsgemäß) die Editors aus Schottland und (überraschend) eine tolle Show der Emo-Band “IamX”.
Eine große Überraschung gab es eine Weile später als wir erfuhren, dass die Fotos noch mal Anlauf nahmen für ein Konzert in Berlin, dieses Mal in einem Gravis-Store und das sogar gratis. Also, nix wie hin.
Vor Ort angekommen war der Ernst-Reuter-Platz an dem der Store liegt noch nicht aufgrund des Ansturms abgesperrt und das, obwohl eigentlich überall wo es was für lau gibt die großen Massen anrollen. Im Laden selbst lümmelten sich ein paar Leute an den Tischen des Cafès oben, hier sollte das Konzert stattfinden. Vorbereitet auf ein Event in mehr loungiger Atmosphäre bei Cappucino und Kuchen fanden sich eine Weile später pünktlich zu Konzertbeginn (wir sind in Deutschland!) doch noch eine ganze Menge Gratis-Zuhörer ein die sich auch alle prompt in mehreren Reihen vor den Cafe-Tischen aufbauten. Also aufgestanden und aufgerückt. Wir sind schliesslich nicht bei einer Gala mit Barbara Streisand, wie der Sänger der Fotos treffen bemerkte.
Band "Fotos" im Apple-Laden in Berlin
Das Konzert überraschte zum einen durch seine Länge, ca. 11 Stücke in einer knappen Stunde war mehr als ich bei einem Gratis-Konzert erwartet hatte und zum anderen durch die Uniformiertheit des ankündigenden Gravis-Mitarbeiters sowie eines Großteils des Publikums, das wohl noch nie was von dieser Band gehört hatte und wohl doch eher wegen der Ipods und Macs gekommen war.
Egal, die Band legte sich schwer ins Zeug und auch wenn sich bei so einem Anlaß, einen Gratis-Konzert in einem Computerladen, unter Wert verkauften bleibt zu hoffen, dass so manch einer auf die Fotos aufmerksam geworden ist und sie für sich entdeckt hat.
Was mir ziemlich aufstößt ist die Tatsache, dass man in Berlin mittlerweile zwar einiges an rauchfreier Gastronomie findet, fast alle dieser Cafès und Restaurants machen aber schon am frühen Abend wieder zu. Wer rauchfrei später abends ausgehen möchte hat kaum Auswahl. Deswegen ist die Freude groß, dass sogar in unserem Stadtteil Pankow nun ein Restaurant / eine Bar eröffnet hat, die mit großzügen Öffnungszeiten geradezu verwöhnt. Während der Woche hat das vegane Bio-Cafè “Hans Wurst” bis Mitternacht auf, am Wochenende sogar “open end”. Neben täglich wechselnden Gerichten und einem schönen, gemütlichen Ambiente bietet man dort auch vielfältige Kultur wie Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Theater an.
So kamen wir gestern abend in den Genuß unseres ersten rauchfreien Rockkonzertes. Der Singer/Songwriter Kevin Devine aus New York lieferte in einem Gratis-Konzert fast 2 h nur mit Gitarre begleitet eine fantastische Leistung ab. Und was soll ich sagen: Der Laden war trotz Rauchverbot voll. Im Unterschied zum Wilco-Konzert war es dieses Mal aber andersrum: Wir waren drin und lauschten qualmfrei, während sich die Raucher draussen vor der Tür aufhielten.
Das “Hans Wurst” ist ein Beweis dafür dass, sofern sich auch die Deutschen mal dran gewöhnt haben, eine rauchfreie Gastronomieeinrichtung auch noch später abends funktioniert und allen, die nicht glauben daß Ausgehen = im Qualm sitzen bedeutet empfehle ich, mal hierhin zu fahren.
Nichts zu hören – wahrscheinlich gerade Umbauphase. So unser erster Eindruck als wir in der Kulturbrauerei ankommen um uns von draussen das Wilco-Konzert anzuhören. Damit wir uns recht verstehen: Wir sind keine Schmarotzer, wollen hier kein Geld sparen, hätten dies gerne ausgegeben, aber wir besuchen keine verqualmten Restaurants mehr und erst recht keine extrem verqualmten Rockkonzerte.
Es gab so manche uns bekannte Band, die Berlin besucht und wieder verlassen hat, ohne dass es uns wert wart, zumindest mal Mäuschen zu spielen.Bei Wilco aus Chicago ist das anders, denn diese viel umjubelte Band ist eine unserer Lieblingsbands und uns diese Mühen wert, stundenlang draussen im Hof zu stehen um eventuell Fetzen eines Konzerts mitzubekommen. Die Akustik im Innenhof der Kulturbrauerei ist auch ganz passabel, vor allem lautere Songs lassen sich gut verfolgen, umso besser wenn der Typ der immer für den Getränkenachschub sorgt eine der Türen zum Saal öffnet. Dann wird der Sound glasklar. Zwischendurch öffnet sich auch mal eine andere Tür und man kann durch den Qualm einige Bandmitglieder erkennen. Ein Roadie bewundert uns: Coole Sache, mit Weizenbier in der Kühle zu stehen anstatt bei Qualm und Saunatemperatur drinnen. Das scheinen einige Besucher des Konzerts auch zu denken und verlassen frühzeitig das Event, sichtlich erschöpft. Als ich gerade Bier besorge bietet eine Frau der meinigen eine Karte gratis an, diese überlegt eine Weile, aber nein, lieber nicht, danke, es geht nicht.
Moment mal, ist das nicht dieses Stück vom letzten Album? Ja, ich habe gerade wieder einen der Songs erkannt, dabei bin ich nicht so gut drauf wie meine Frau, die manche Lieder schon nach ein paar Takten erkennt. Das Konzert dauert und dauert und irgendwann wird es der Security anscheinend zu viel, man öffnet nach der ersten Zugabe die Türen und denkt, das sei es wohl gewesen. Doch weit gefehlt: Wilco scheinen gut drauf zu sein, liefern ein extrem langes Konzert ab, eine Zugabe nach der anderen. Der Roadie ist begeistert, ein tolles Konzert.
Dann das große Finale, ich husche nach Konzertende in den Saal um wenigstens ein Tour-T-Shirt zu kaufen. Denn irgendwie waren wir ja auch dabei gewesen. Draussen angekommen bleiben wir einfach dort stehen, wo wir nun schon seit Stunden sind. Man gewöhnt sich daran und die Position ist so günstig, dass wir noch sämtliche Bandmitglieder am Reisebus ankommen sehen. Diese werden von den treusten Fans begeistert empfangen. Fast alles anscheinend Leute, die nicht aus Berlin stammen und mit der Band sozusagen mitreisen. Kurz gelauscht: Der Sänger von Wilco betont, man spiele hier in Europa vor allem auch ältere, bekanntere Songs was vor allem daran liege, das die Band nicht so häufig hier sei und man sich verpflichtet fühle, bestimmte Songs überall in Europa zu spielen. Nach und nach steigen die Bandmitglieder in den Bus. Als nichts mehr los ist, entschliessen wir uns zu gehen.