Nettes Café im Prenzlberg

Als Anti-Passivraucher hat man es besonders schwer wenn man später abends ausgehen möchte und nicht gerade in einem Restaurant sitzen will sondern hauptsächlich etwas trinken möchte. Durch das Nichtraucherschutzgesetz kann man außer in Restaurants zwar auch mittlerweile ohne Qualmbelästigung in praktisch allen Cafès sitzen, diese schliessen aber häufig schon sehr früh, übrig bleiben Kneipen (fast alles Raucherkneipen) und Bars (dito) Eine lobenswerte Ausnahme ist die kürzlich eröffnete Cafè-Bar Hilde, Ecke Metzer Str. / Prenzlauer Allee, die jeden Tag bis spät abends geöffnet hat. Nun ist die Rauchfreiheit das eine positive, neben der netten und zuvorkommenden Bedienung spricht aber auch vieles andere für diese geräumige und mit gemütlichem Mobilar ausgestattene Cafè, das logischerweise mit vielen Fotos von Hildegard Knef an der Wand verziert ist. So zum Beispiel das Angebot an Speisen und Getränken: Neben dem leckeren Cafè sind besonders die hausgemachten Brownies und Flapjacks zu empfehlen. Tagsüber gibt es verschiedene Suppen und Sandwiches, abends passt eine große Auswahl an Spirituosen perfekt zu den angebotenen Flammkuchen. Das Cafè bietet neben deutschsprachiger Literatur auch englischsprachige Periodika, gelegentlich finden kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte statt.

Update 7.12.09: Das Cafè Hilde hat mittlerweile nur noch von Mittwoch – Samstag abends bis 1 Uhr geöffnet. Von Sonntag bis Dienstag schließt man um 20 Uhr. Dies ist zumindest die momentane Lage. Es scheint sich zu bestätigen, was ich immer wieder in Berlin beobachte – Räucherhöhlen sind meistens immer gut gefüllt, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit und an welchem Wochentag, rauchfreie Etablissments haben dagegen eher Probleme wenn sie abends Angebote machen. Das Ganze geht eindeutig auf die Tatsache zurück, dass sogenannte “tolerante” Nichtraucher immer noch mit ihren rauchenden Freunden oder Kollegen in die verqualmten Kneipen der Stadt mitgehen anstatt sich gegen den Passivrauch zu wehren und nur dort hinzugehen wo Rauchfreiheit angeboten wird.

Berliner Restaurantfreuden

Metropolen haben es so an sich, dass es ein schieres Überangebot an Freizeit/Ausgehmöglichkeiten gibt. Insofern galt das auch schon vor dem Nichtraucherschutzgesetz (NRSG) für Berlin. Aber nicht für mich persönlich, jemanden, der sich nicht in verqualmte Buden setzen wollte. Das Ganze hat sich seit Jahresbeginn nun radikal geändert. Während mich die Kneipen nicht recht interessieren – selbst wenn sie rauchfrei wären, könnte man in ihnen wohl nur nach einer Renovierung ohne Gemuffel sitzen – ist mittlerweile fast jedes Restaurant rauchfrei. Dies hat zum einen den Effekt, dass man die Qual der Wahl hat. Als ein Novize in der schönen, bunten Restaurantwelt von Berlin ergibt sich für mich zum anderen das Problem, dass ich bisher noch wenig Ahnung hatte, wo es denn was besonders lecker zu essen gibt. Bleiben Empfehlungen anderer oder Spontanbesuche auf den Touren durch die Stadt, bei denen ich bisher eigentlich noch nie enttäuscht worden bin.

Was signifikant ist, ist der Effekt auf die Geldbörse. Ich habe wohl nie so viel Geld fürs Außer-Haus-Essen ausgegeben wie nun, nachdem das NRSG gilt. Aber ich glaube, dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass das Essen-Gehen nun noch etwas Neues ist und dass man vor allem in der Anfangsphase viel ausprobiert.

später Bericht

Mit Scham blicke ich in meinem Blog auf das leere Kalenderblatt dieses Monats und gebe zu: Ich war schreibfaul. Dies obwohl es eigentlich einiges zu sagen gibt, denn es gab genug Events über die zu berichten war.

Da war zum einen die Berlinale. Auch dieses Mal ging es mir mehr um die Filme, die man sonst hier in Deutschland eh kaum im Kino zu sehen bekommt. Zum einen “Invisible City”, eine gelungene Dokumentation über Kreative in Singapur an deren Anschluß die Regisseurin ausführlichst – trotzdem dies die letzte Vorführung war – auf Fragen einging, “Geneneet al asmak”, ein ägyptischer Film über die Beziehung oder eher “Nicht-Beziehung” zwischen einer Radio-Moderatorin und einem Anästhesisten sowie der koreanische Wettbewerbs-Beitrag “Bam gua Nat“.

Da nun alle Kino-Foyers rauchfrei sind, gönnte ich mir den teureren Besuch der ersten Aufführung im Berlinale-Palast. Alles im Allen eher raugeschmissenes Geld, was man besser in einer Wiederholung hätte investieren können. Denn zum einem war das Foyer zwar rauchfrei, aber während des Films pumpte die Klimaanlage fleißig Qualm von draußen rein. Zum anderen saß ich weit entfernt von der Leinwand.

Der Film selbst war, trotz gewisser Längen, ganz nett – ein koreanischer Maler flieht nach Paris, dort gibt’s dann ziemlich viel Beziehungskram und hübsche Pariser Ansichten. Aber im Unterschied zu den Wiederholungen standen die Schauspieler sowie der Regisseur im Anschluß an den Film verloren auf der Bühne und wussten nicht so recht was sie dort sollten, da der Conferencier in mehreren Metern Abstand von ihnen nur schweigend da stand – keine Fragen, kein Interview. Ob man sich aufgrund der Anwesenheit der Jurymitglieder keine kritischen Fragen erlauben mochte?

Das in die Berlinale investierte Geld steht aber in keiner Relation zu einem anderen Posten bei meinen Ausgaben. Denn da geht es um Restaurantbesuche. Aber mehr dazu in einem anderem Posting.