Mehrheitlich rauchfrei

War meine Prognose letztens hinsichtlich der Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes zu negativ? Ich wollte mich vorgestern selber vor Ort überzeugen und machte einen ausgedehnten Spaziergang durch die Oranienburger Straße nebst Seitenstraßen in Mitte, überprüfte am Potsdamer Platz und schaute mir zum Schluß noch die Kastanienallee an. Das Resultat ist sehr positiv. Logischerweise konnte ich nicht überall reingehen und genauestens nachschauen, aber wichtige Kriterien ob ein Restaurant rauchfrei ist wie zum Beispiel ob Aschenbecher auf den Tischen sind oder gerade irgendjemand raucht waren schon von außen zu erkennen. Etwa geschätzte 80 – 85 % aller Restaurants, Cafes und Bars sind demnach in diesen Gegenden rauchfrei. Es gibt nur ein paar Ausreißer, von denen man es sich wohl auch schon vorher hätte denken können. So hat das Cafe Cinema, ein gar übel verqualmter Laden an der Rosenthaler Straße, einen kleinen Nebenraum zum Raucherzimmer deklariert. Hier sitzt aber keiner sondern alle sind nebenan im großen Raum und qualmen fröhlich weiter. Der Rauch breitet sich dabei in großen Schwaden auf den Gehsteig davor aus. Auch das Schwarz-Sauer in der Kastanienallee erfreut sich weiterhin qualmender Gäste und Mädels hinterm Tresen. In solche Läden kann man wohl selbst, wenn sie irgendwann mal rauchfrei sind erst wieder reingehen, wenn renoviert worden ist, neu gestrichen und neue Möbel angeschafft sind.

Ansonsten gilt aber allgemeine Rauchfreiheit zumindest in Restaurants und auch Bars im Zentrum. Ein hilfreiches Kriterium zum Erkennen davon ist häufig der Stehtisch mit Aschenbecher für den Raucher der sich friedlich beim Schlabbernapf mit Wasser für den Hund neben der Tür des Etablissements befindet.

Gegen Ende des Abends landete ich dann im Cinestar Original Kino , dass sich bisher immer durch einen Rauchschlauch, einen unterirdischen, stark verqualmten Gang zwischen den Kinosälen hevortat. Aber auch hier: Kein Qualm, dafür viele Schilder auf den Tischen, die auf das Rauchverbot hinwiesen.

War es nach dem Film bisher immer das Zeichen für mich als Nichtraucher nach Hause zu gehen, da man eh nirgendwo anders mehr hinkonnte, gab es schließlich und endlich noch eine nette Session im Billy Wilder’s, einer Cocktailbar die auch, wie so viele andere Lokale vorher, nun rauchfrei geworden war.

Na denn: Prost!

Cocktail

Leckere Varianten

Im zurückliegenden Jahr gab es auch ohne Nichtraucherschutzgesetz erfreulicherweise viele neue Berliner Restaurants, die rauchfrei gestartet sind. Dageben habe sich andere, schon bestehende Restaurants leider abgemeldet, so zum Beispiel das Pastakontor, daß unter neuem Namen und Inhaber (?) nun verqualmt ist. Von denen, die wir besucht haben möchte ich gerne eines auszeichnen, dass sozusagen den Titel “Nichtraucherrestaurant des Jahres” verdient hat. Klarer Gewinner und einer der oben geschilderten Neulinge ist Dodoo’s Palatschinken-Bar und dies aus mehreren Gründen. Zum einen ist dies ein kleines aber feines Restaurant, dass etwas Spezielles, nämlich Palatschinken, in unzähligen, leckeren Variationen anbietet. Dabei werden die Palatschinken vor den Augen zubereitet. Zum anderen ist es hier sehr gemütlich und mir gefällt das gesamte Ambiente der Bar.

Vorfreude auf Rauchfreiheit?

Das Nichtraucherschutzgesetz steht unmittelbar vor der Tür und meine Vorfreude hält sich in Grenzen. Deutschland hat im Vorfeld immer wieder gezeigt, daß es beim Nichtraucherschutz anders ist als viele seiner europäischen Nachbarn. Warum sollte nun klappen, was in Skandinavien, Großbritannien, Irland und Italien kein Problem dargestellt hat?

Ich erwarte eher daß, schon aufgrund fehlender Sanktionen, vielerorts weiter gequalmt wird. Die Medien freuen sich anscheinend darauf, denn geradezu euphorisch wird über Wirte berichtet, die mit irgendwelchen Tricks den Nichtraucherschutz in ihrer Bar oder Kneipe nicht durchsetzen wollen. Und dann gibt es noch die Journalisten, die in der Durchsetzung des Nichtraucherschutz den Untergang der Demokratie sehen.

Wer mich in der ganzen Zeit aber meisten enttäuscht hat sind nicht Journalisten oder Politiker sondern die NichtraucherInnen selbst. Da gibt es zum einen die, die bei Umfragen zwar angeben, für Nichtraucherfreundliche Einrichtungen zu sein, die dann aber ohne Einschränkung trotz Alternativen in vollgequalmten Kneipen und Restaurants sitzen. Und dann gibt es die, die sich zwar vehement für den Nichtraucherschutz in der Gastronomie einsetzen, dies aber eigentlich nicht bräuchten. Denn nicht anders ist es zu erklären, dass so viele rauchfreie Cafes und Restaurants oft leer sind und eben von diesen Leuten nicht genutzt werden.

Ich werde jedenfalls meine Liste mit Nichtraucher-Gastronomie aufrecht erhalten. Zum einem aus dem oben genannten Grund der wahrscheinlich schlechten Durchsetzung des Nichtraucherschutzes und zum anderen sollten die Restaurants aus der Liste lobend erwähnt werden und Unterstützung erfahren, die sich auch schon ohne gesetzliche Regelung für uns Nichtraucher eingesetzt haben.