Posts Tagged ‘WM’

Der Ball rollt

Monday, August 28th, 2006

Kurz nach der so enthusiastisch begangenen Fußball WM scheint in der Stadt kaum mehr was an dieses wichtige Ereignis zu erinnern. Die Adidas Arena ist weg und man möchte hoffen, dass das was da momentan eingezäunt ist, auch wieder so aussieht, wie es vorher war - die gepflanzten Hecken lassen dies jedenfalls vermuten. Der Fernsehturm wird von einer Beleidigung für die Augen wieder zu einem ästhetischen Bauwerk mit jedem verschwundenen rosa Punkt auf seiner Kugel. Und die Läden, in denen sich Fußballerisches kaufen liess, werden auch immer weniger - sieht man mal von den paar Touristenläden ab, die noch Fandevotionalien stark reduziert anbieten.

Was bleiben sollte, ist eigentlich die Begeisterung für den Fußball an sich. Dabei, so rechnet man sich wohl aus, hoffte man eben diese in die neue Bundesligasaison hinüberzutragen. Ich weiß aber nicht so recht, ob das gelungen ist? Ich selbst habe momentan noch nicht viel Enthusiasmus dafür entwickeln können. Da hat man Brasilien, Italien, Deutschland und co. sehen können, Fußball satt - und nun soll man sich wieder für den Bundesligaalltag begeistern.

Nein - ich bin noch übersättigt.

Rückkehr der Baustellen

Monday, July 24th, 2006

Die WM ist schon seit einiger Zeit Geschichte und Berlin ist wieder das was es kurz davor war - ein Baustellenparadies. Überall schießen sie wie Pilze aus dem Boden, ob an Unter den Linden, am Alexanderplatz, der wieder das Labyrinth von vorher ist oder an vielen anderen Plätzen der Stadt. Der Witz an der Sache ist nur: Die WM-Besucher interessierte wohl in erster Linie nur das Stadion und die Kneipen der Stadt. Touristen, die jetzt kommen, wollen sich eigentlich die Schönheiten der Stadt ansehen. An jeder Ecke stehen sie und fotografieren was das Zeug hält. Die Stadt sollte eigentlich wissen, dass eine ihrer Haupteinnahmequellen die Touristen sind.
Unverständlich deshalb das Timing für die Baustellen in der Stadt.

WM-Fazit

Tuesday, July 11th, 2006

Bevor ich mich wieder anderen Themen zuwende, noch ein kurzes, persönliches Fazit zur Fußball-WM.

Stimmung: Wohl kaum zu übertreffen, eine einzige Dauerparty, sowohl im Stadion als auch außerhalb. Während meiner Besuche im Zentrum von Berlin, als auch bei einem Spiel sah ich eigentlich nur Positives.

Fans: In den Spielen der deutschen Mannschaft gegen Argentinien und Italien fiel auf, dass der Gegner von der ersten Minute an ausgepfiffen worden ist - das ist extrem unfair und albern.
Abgesehen davon aber: Vorbildlich. Man konnte sich offensichtlich auch mal mit den anderen Ländern freuen, wenn diese gewonnen hatten und im Feiern waren die Fans sowieso weltmeisterlich.

Die Spiele: Selten hat mich eine Weltmeisterschaft so gelangweilt, wie diese. Kaum Überraschungen, viele, langweilig vorgetragene Favoritensiege und bei Teams mit gleicher Spielart ein einfallsloses Gekicke, das hauptsächlich darauf bedacht war, die Strategie des anderen zu stören, anstatt das eigene Spiel zu entwickeln. Oft genug habe ich einfach zu anderen Programmen gezappt, wenn es mal zu öde war.

Kommerz: Die Adidas Arena machte sich auf dem Platz der Republik direkt beim Zentrum der deutschen Politik, dem Reichstag breit. Ein besseres Symbol für die Symbiose von Kommerz und Politik und den Einfluß der Großunternehmen konnte es wohl nicht geben.

Organisation: Perfekt. Ein Lob sowohl als das deutsche Organisationskomittee als auch an die Fifa. Es gehört schon einiges an Ressourcen und Ideen dazu, die WM logistisch so gut ablaufen zu lassen.

Auf der Fanmeile

Friday, July 7th, 2006

Kurz vor Ende der WM mache ich mich am Mittwoch Nachmittag auch mal auf zur Fanmeile. Ich habe einer Verwandten versprochen, ihr über die dortige Web-Videokamera des RBB zuzuwinken. Die Gelegenheit zu diesem Zeitpunkt nach der Niederlage der Deutschen ist günstig, da ich erwarte, daß es nicht so voll sein wird. An den Eingangskontrollen gibt es eine ziemliche ausführliche Überprüfung inkl. Vorzeigen des Schlüsselbundes. Nach ein paar Schritten erreiche ich die RBB-Bühne, von der aus moderiert wird und postiere mich winkend vor der Kamera. Weiter geht’s, das absolut lästigste ist die brütende Hitze. Der reflektierende Asphalt und kein Schatten garantieren, daß man sich vorkommt, als laufe man auf dem Boden einer Bratpfanne.

Ich gehe die gesamten 1,7 km (eben ca. eine Meile) ab. Viele Fruchtbowlen/Snack/Bier/Cola/Eisstände und Souvenirläden, außerdem stellen sich die Sponsoren vor. Dazwischen laufen einige Mädels herum, die für die Firma Philips die wenigen Besucher befragen. Das Ganze zieht sich ungeheuer in die Länge, unterbrochen nur von vielen großen Bildschirmen. Dann, so kurz hinter dem Riesenrad doch etwas Abwechslung: Eine Beachvolleyballfläche taucht auf, etwas dahinter einige, ganz witzig gemachte Sandskulpturen, Thema “Fußball” versteht sich. Kurz vor der Siegessäule dreh ich um und laufe nun hauptsächlich hinter den Buden direkt am Tiergarten entlang zurück. Dort, bei den Bämen, gibt es wenigstens etwas Schatten.

Alles in Allem findet man auf der Fanmeile, was man wohl von ihr erwartet: Viel Platz zum Rumstehen und Feiern bei den Spielen selbst, eine recht abwechslungsreiche Snackgastronomie vor Ort und reichlich Fanausstattung.

Soccer World Cup, Berlin, fanmile

Fußball und Kultur

Monday, July 3rd, 2006

So langsam wird wohl auch den Veranstaltern klar, was sicherlich vielen von uns schon vor der WM einleuchtete: Die Fußball WM und Kultur passen einfach nicht zusammen. Wie den Medien zu entnehmen ist, waren wohl viele Veranstaltungen im Kulturbereich ein ziemlicher Flop, auch wenn sie es - ob nun auf geschickte oder ungeschickte Art und Weise - irgendwie geschafft hatten, eine Verbindung zum Fußball zu schaffen. Das Ganze lässt die Schlußfolgerung zu, dass ein Großteil der WM-Touristen eben nur das in Berlin unternimmt, wegen dem sie/er auch hierher gekommen war: Der Besuch eines Fußballspiels und eventuell das vorherige/darauffolgende Abhängen mit alkoholischem Gerstensaft. Ob Gratisführungen durch die Berliner Brauereien von mehr Erfolg gekrönt gewesen wären?
Auch die Museen werden das Ende der WM herbeisehnen. Wie ich mich selbst an einem der Gratisabende (donnerstags) im Kulturforum überzeugen konnte, war dort unüblicherweise kaum etwas los. Man wird sich in diesen Einrichtungen wieder auf die Berlin-Besucher freuen, die nach Berlin wegen seiner kulturellen Instititutionen kommen.

Nach Berlin? Gerne, aber nicht jetzt

Friday, June 23rd, 2006

Nachdem die Läden zu den erweiterten Öffnungszeiten zum großen Teil leer sind - zum einen weil die WM-Touristen in großer Zahl abgesehen von den Spielen selbst nur am Aufenthalt in den gastronomischen Einrichtungen interessiert sind und der Berliner lieber zuhause vor dem TV oder draußen vor der Großleinwand sitzen bleibt und zwischen den Spielen keine Zeit oder Lust zum shoppen hat, ist nun das Hotelgewerbe ziemlich enttäuscht. Während in einigen anderen Städten die Touristen normalerweise eh nur in geringen Zahlen kommen und man nun dort durch die WM einen Aufschwung erlebt, gibt es hier in Berlin wohl viele potentielle Besucher, die normalerweise gerne die Schönheiten dieser Stadt gesehen hätten, die diese Stadt gerade aber wegen der WM meiden.

Der Hype bleibt aus und mich wundert, dass er überhaupt vor der WM entstanden ist.

Deutschland - Ecuador, nur Positives zu vermelden

Tuesday, June 20th, 2006

Des öfteren gehöre ich ja zu denjenigen, die die Dinge etwas anders sehen, als die Mehrheit der Bevölkerung, aber in Punkto Fußball-WM sehe ich nun, spätestens seitdem ich mal selbst im Stadion war, vieles ähnlich.

Man mag einiges an der FIFA kritisieren, aber organisieren können sie, das muss man ihn lassen. Nach der Fahrt mit der U-Bahn (Durchsagen an den Stationen auch in Spanisch!) wird dies schon bei der Ankunft am Stadion deutlich. Die Kontrollen sind weit vorgelagert und haben mit den eigentlichen Eingängen am Stadion, bei denen das Ticket gescannt wird, nichts zu tun. Hierdurch und auch durch die große Anzahl der Ordner ist die Wartezeit gleich Null. Kontrolliert wird sehr penibel, was in Punkto Sicherheit seine eindeutigen Vorteile hat, wenn mir auch nicht ganz klar war, warum ich mich hier von meiner PET-Eisteeflasche verabschieden musste. Am Stadion selbst befinden sich lauter Helfer mit Stadionplänen, die einen bei Bedarf den Weg zum Sitz erklären. Schon vor dem Spiel läuft Personal herum und hebt Müll vom Boden auf.

Das Spiel selbst - nun, viele werden es gesehen haben - das Ganze ist eine friedliche und positiv gestimmte Party, einerseits verursacht durch das gute Spiel des deutschen Teams und zum anderen durch die hervorragende und fröhliche Unterstützung der Fans. Alles im allen eine runde Sache und bis jetzt ein großer Erfolg für die Organisatoren und für Deutschland.

Gepflegte Langeweile

Saturday, June 17th, 2006

Geht es nur mir so, oder gibt es auch andere, die die WM bisher als sehr langweilig empfinden? Fast ausschließlich klare oder nicht überzeugend vorgetragene Favoritensiege. Das, was eine Fußball-WM fast immer auszeichnete - “kleine”  gewinnen gegen auf dem Papier gute und sorgen für Überraschungen - findet dieses Mal praktisch überhaupt nicht statt. Ich frage mich, ob der Unterschied zwischen den Teams mittlerweile schon zu groß geworden ist?

Lederhosen

Friday, June 9th, 2006

Nach der Eröffnungsfeier fühlt sich die Welt wieder im Stereotyp über die Deutschen bestätigt: Wir laufen hier alle in Lederhosen herum, ist doch logo! Dass dieses Bild von uns von einer WM-Eröffnungfeier in München intensivst bedient worden ist, war aber wohl nicht anders zu erwarten. Schade nur, dass man dann im Ausland wieder nichts anderes von uns weiß oder lernt, als dass die einzige volkstümliche Tradition Deutschlands eben anscheinend nur die bayrische ist.

Was gibt’s im Fernsehen?

Tuesday, May 30th, 2006

Der Fernseher springt an.

ARD: Es wird gerade vom Training der brasilianischen Mannschaft berichtet. Wechsel zum ZDF, dort redet das “Philosophische Quartett” über den Fußball im Allgemeinen. Durch die verschiedenen dritten Programme, es laufen WM-Spiele aus dem letzten Jahrhundert, mit einem knarzenden Kommentar begleitet. Weiter gehts zu Sat1, dort gibt’s Werbespots, 90 -95% davon zum Thema “Fußball” und “WM”. Über RTL - Jauch befragt bei der Millionärsshow gerade Prominente zu Fußballthemen - geht es hoffnungsvoll zu ARTE, dort wird man doch nicht etwa? Doch, Themenabend “Fußball” ist angesagt. Das Bild rundet BBC World ab, soeben wird über die Verletzung von Ballack berichtet.
Ich gebe es auf und schalte die Kiste aus, denn so oder so ähnlich präsentiert sich uns momentan die sogenannte “Programmvielfalt” der deutschen TV-Sender.

Und dabei hat die WM noch gar nicht mal begonnen.