Der Ball rollt

Kurz nach der so enthusiastisch begangenen Fußball WM scheint in der Stadt kaum mehr was an dieses wichtige Ereignis zu erinnern. Die Adidas Arena ist weg und man möchte hoffen, dass das was da momentan eingezäunt ist, auch wieder so aussieht, wie es vorher war – die gepflanzten Hecken lassen dies jedenfalls vermuten. Der Fernsehturm wird von einer Beleidigung für die Augen wieder zu einem ästhetischen Bauwerk mit jedem verschwundenen rosa Punkt auf seiner Kugel. Und die Läden, in denen sich Fußballerisches kaufen liess, werden auch immer weniger – sieht man mal von den paar Touristenläden ab, die noch Fandevotionalien stark reduziert anbieten.

Was bleiben sollte, ist eigentlich die Begeisterung für den Fußball an sich. Dabei, so rechnet man sich wohl aus, hoffte man eben diese in die neue Bundesligasaison hinüberzutragen. Ich weiß aber nicht so recht, ob das gelungen ist? Ich selbst habe momentan noch nicht viel Enthusiasmus dafür entwickeln können. Da hat man Brasilien, Italien, Deutschland und co. sehen können, Fußball satt – und nun soll man sich wieder für den Bundesligaalltag begeistern.

Nein – ich bin noch übersättigt.

Rückkehr der Baustellen

Die WM ist schon seit einiger Zeit Geschichte und Berlin ist wieder das was es kurz davor war – ein Baustellenparadies. Überall schießen sie wie Pilze aus dem Boden, ob an Unter den Linden, am Alexanderplatz, der wieder das Labyrinth von vorher ist oder an vielen anderen Plätzen der Stadt. Der Witz an der Sache ist nur: Die WM-Besucher interessierte wohl in erster Linie nur das Stadion und die Kneipen der Stadt. Touristen, die jetzt kommen, wollen sich eigentlich die Schönheiten der Stadt ansehen. An jeder Ecke stehen sie und fotografieren was das Zeug hält. Die Stadt sollte eigentlich wissen, dass eine ihrer Haupteinnahmequellen die Touristen sind.
Unverständlich deshalb das Timing für die Baustellen in der Stadt.

WM-Fazit

Bevor ich mich wieder anderen Themen zuwende, noch ein kurzes, persönliches Fazit zur Fußball-WM.

Stimmung: Wohl kaum zu übertreffen, eine einzige Dauerparty, sowohl im Stadion als auch außerhalb. Während meiner Besuche im Zentrum von Berlin, als auch bei einem Spiel sah ich eigentlich nur Positives.

Fans: In den Spielen der deutschen Mannschaft gegen Argentinien und Italien fiel auf, dass der Gegner von der ersten Minute an ausgepfiffen worden ist – das ist extrem unfair und albern.
Abgesehen davon aber: Vorbildlich. Man konnte sich offensichtlich auch mal mit den anderen Ländern freuen, wenn diese gewonnen hatten und im Feiern waren die Fans sowieso weltmeisterlich.

Die Spiele: Selten hat mich eine Weltmeisterschaft so gelangweilt, wie diese. Kaum Überraschungen, viele, langweilig vorgetragene Favoritensiege und bei Teams mit gleicher Spielart ein einfallsloses Gekicke, das hauptsächlich darauf bedacht war, die Strategie des anderen zu stören, anstatt das eigene Spiel zu entwickeln. Oft genug habe ich einfach zu anderen Programmen gezappt, wenn es mal zu öde war.

Kommerz: Die Adidas Arena machte sich auf dem Platz der Republik direkt beim Zentrum der deutschen Politik, dem Reichstag breit. Ein besseres Symbol für die Symbiose von Kommerz und Politik und den Einfluß der Großunternehmen konnte es wohl nicht geben.

Organisation: Perfekt. Ein Lob sowohl als das deutsche Organisationskomittee als auch an die Fifa. Es gehört schon einiges an Ressourcen und Ideen dazu, die WM logistisch so gut ablaufen zu lassen.