Auf der Fanmeile

Kurz vor Ende der WM mache ich mich am Mittwoch Nachmittag auch mal auf zur Fanmeile. Ich habe einer Verwandten versprochen, ihr über die dortige Web-Videokamera des RBB zuzuwinken. Die Gelegenheit zu diesem Zeitpunkt nach der Niederlage der Deutschen ist günstig, da ich erwarte, daß es nicht so voll sein wird. An den Eingangskontrollen gibt es eine ziemliche ausführliche Überprüfung inkl. Vorzeigen des Schlüsselbundes. Nach ein paar Schritten erreiche ich die RBB-Bühne, von der aus moderiert wird und postiere mich winkend vor der Kamera. Weiter geht’s, das absolut lästigste ist die brütende Hitze. Der reflektierende Asphalt und kein Schatten garantieren, daß man sich vorkommt, als laufe man auf dem Boden einer Bratpfanne.

Ich gehe die gesamten 1,7 km (eben ca. eine Meile) ab. Viele Fruchtbowlen/Snack/Bier/Cola/Eisstände und Souvenirläden, außerdem stellen sich die Sponsoren vor. Dazwischen laufen einige Mädels herum, die für die Firma Philips die wenigen Besucher befragen. Das Ganze zieht sich ungeheuer in die Länge, unterbrochen nur von vielen großen Bildschirmen. Dann, so kurz hinter dem Riesenrad doch etwas Abwechslung: Eine Beachvolleyballfläche taucht auf, etwas dahinter einige, ganz witzig gemachte Sandskulpturen, Thema “Fußball” versteht sich. Kurz vor der Siegessäule dreh ich um und laufe nun hauptsächlich hinter den Buden direkt am Tiergarten entlang zurück. Dort, bei den Bämen, gibt es wenigstens etwas Schatten.

Alles in Allem findet man auf der Fanmeile, was man wohl von ihr erwartet: Viel Platz zum Rumstehen und Feiern bei den Spielen selbst, eine recht abwechslungsreiche Snackgastronomie vor Ort und reichlich Fanausstattung.

Soccer World Cup, Berlin, fanmile

Fußball und Kultur

So langsam wird wohl auch den Veranstaltern klar, was sicherlich vielen von uns schon vor der WM einleuchtete: Die Fußball WM und Kultur passen einfach nicht zusammen. Wie den Medien zu entnehmen ist, waren wohl viele Veranstaltungen im Kulturbereich ein ziemlicher Flop, auch wenn sie es – ob nun auf geschickte oder ungeschickte Art und Weise – irgendwie geschafft hatten, eine Verbindung zum Fußball zu schaffen. Das Ganze lässt die Schlußfolgerung zu, dass ein Großteil der WM-Touristen eben nur das in Berlin unternimmt, wegen dem sie/er auch hierher gekommen war: Der Besuch eines Fußballspiels und eventuell das vorherige/darauffolgende Abhängen mit alkoholischem Gerstensaft. Ob Gratisführungen durch die Berliner Brauereien von mehr Erfolg gekrönt gewesen wären?
Auch die Museen werden das Ende der WM herbeisehnen. Wie ich mich selbst an einem der Gratisabende (donnerstags) im Kulturforum überzeugen konnte, war dort unüblicherweise kaum etwas los. Man wird sich in diesen Einrichtungen wieder auf die Berlin-Besucher freuen, die nach Berlin wegen seiner kulturellen Instititutionen kommen.

Nach Berlin? Gerne, aber nicht jetzt

Nachdem die Läden zu den erweiterten Öffnungszeiten zum großen Teil leer sind – zum einen weil die WM-Touristen in großer Zahl abgesehen von den Spielen selbst nur am Aufenthalt in den gastronomischen Einrichtungen interessiert sind und der Berliner lieber zuhause vor dem TV oder draußen vor der Großleinwand sitzen bleibt und zwischen den Spielen keine Zeit oder Lust zum shoppen hat, ist nun das Hotelgewerbe ziemlich enttäuscht. Während in einigen anderen Städten die Touristen normalerweise eh nur in geringen Zahlen kommen und man nun dort durch die WM einen Aufschwung erlebt, gibt es hier in Berlin wohl viele potentielle Besucher, die normalerweise gerne die Schönheiten dieser Stadt gesehen hätten, die diese Stadt gerade aber wegen der WM meiden.

Der Hype bleibt aus und mich wundert, dass er überhaupt vor der WM entstanden ist.